Boris Reitschuster

Etwas verspätet ist der nächste Promi auf den Verschwörungszug aufgesprungen. Nach Michael Wendler, Xavier Naidoo und der #allesdichtmachen-Riege ist jetzt offenbar auch Til Schweiger mit von der Partie und postet ein Selfie mit Boris Reitschuster, einem Journalisten, dessen YouTube-Kanal samt Website eines der zentralen Medien der „Querdenken“-Szene geworden ist. Der ehemalige Russland-Korrespondent des Focus hat mit Rechtsalternativen Erzählungen und Artikeln, die knapp an der Desinformation vorbeirutschen sein eigenes kleines Medienimperium aufgebaut. (@belltower)

So oder so ähnlich arbeitet Reitschuster permanent.
So oder so ähnlich arbeitet Reitschuster permanent.

Weniger kritisch ist Reitschuster bei der „Querdenken“-Bewegung. So berichtet er über eine angekündigte Sammelklage des „Querdenken“-Anwalts Reiner Fuellmich in den USA, das Bild dazu: Christian Drosten in gestreiftem Sträflings-Outfit mit der Aufschrift „schuldig“. Nur ein kritischer Satz hat es in den Artikel geschafft: „Die Erfolgsaussichten mögen umstritten sein – die Initiative als solche ist zumindest eine Meldung wert.“ Was Reitschuster alles weglässt: Die Klage hatte von vornherein praktisch keine Erfolgsaussichten, der Anwalt und sein Team sammelte Geld von potentiellen Kläger:innen, die Wirksamkeit der PCR-Tests, um die es in der Klage geht, sind mehrfach wissenschaftlich bewiesen worden. Und auch Reitschusters Behauptung, dass nicht über die Bemühungen des Anwalts berichtet würde, ist nicht korrekt. Hier etwa in einem Artikel der Tagesschau. (@belltower)

Auf der Fake-News-Seite Reitschuster.de wurden Leser wieder mal gehörig verarscht: Eine angebliche Studie verbreitet Lügen über Spike-Proteine von Geimpften und toten Kindern. Alles frei erfunden. Es ist keine Studie und das Institut erklärt, dass der Autor nie für sie gearbeitet hat.

Screenshot vom YouTube-Kanal von Boris Reitschuster. In diesem Video gibt er die Sperrung seines Accounts für einige Tage bekannt.

Christian Euler veröffentlichte vor kurzem auf der Internetseite von Boris Reitschuster einen Artikel, dessen Titel “Kinder können an Spike-Proteinen von Geimpften sterben” lautet. Außerdem schreibt er, dass die Impfung nicht nur Auswirkungen auf Geimpfte, sondern auch auf ungeimpfte Personen habe. Als Quelle für diese Behauptung verlinkt Euler ein Dokument, das hinsichtlich der Formatierung den Eindruck erweckt, ein Preprint zu sein. Reprints sind in einem Fachjournal eingereichte und grundsätzlich als interessant befundene, aber von Expertinnen und Experten noch nicht überprüfte Studien. Das Dokument ist im Internet nicht jedoch nicht auffindbar, weswegen es sich auch um keinen offiziellen Preprint handeln sollte, sondern der Leser hier durch das Layout bewusst in die Irre geführt wird.

Aus Volksverpetzer, den Faktenprüfern!

Davon abgesehen weist die verlinkte Studie methodische Mängel auf, darunter die Behauptung, Geimpfte würden Spike-Proteine ausscheiden. Dies stellt eine reine, bisher unbelegte Spekulation dar und ist mit seinen dargelegten Daten nicht wissenschaftlich nachweisbar. Auch dass die Mortalität bei Kindern steigt, widerspricht jener Quelle, welche Seligmann verwendete. Die Mortalität ist zuletzt sogar gesunken. Des Weiteren, ist eine Übertragung der Spike-Proteine sehr unwahrscheinlich, da sie im Gegensatz zu herkömmlichen Lebendimpfstoffen keine Mikroorganismen enthalten, sondern lediglich modifizierte Gene, die für die Synthese der Spike-Proteine verantwortlich sind. Im Gegensatz zu den normalen Spike-Proteinen sind die des Impfstoffs nämlich so verändert, dass sie durch einen sogenannten Lipidanker membrangebunden sind.

Grundsätzlich kann man jedem Querdenker Leser empfehlen, bei reißerischen Überschriften und panikmachenden Artikeln besonders vorsichtig zu sein und die genannten Informationen kritisch zu hinterfragen. Informieren und aufklären kann man auch sachlich – ohne mit den Emotionen der Lesenden zu spielen. Auch die Behauptung, dass ein Kleinkind zwei Tage nach der Impfung der Mutter gestorben sei, wird als Tatsachenbehauptung dargestellt.

Aus Volksverpetzer, den Faktenprüfern!